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Bern gilt als langweilig und träge - und es bewegt sich doch: Von diesem
Sommer an versucht die Stadt mit drei grossen Attraktionen mehr
Aufmerksamkeit zu gewinnen.
In Kürze gehen das Zentrum Paul Klee und das Stade de Suisse auf, zum
Einstein-Jahr 2005 finden Ausstellungen und Events statt. Das kleine Bern
bietet allerdings noch viel mehr als das: Skurriles, Neues, Einzig- und
Grossartiges. Wir zeigen ein paar Beispiele.
Cafés und Bars
Im Erdgeschoss näht die Nichte von Stadtpräsi Tschäppät Kleider, im
Keller erträumt Geschäftsführer Stephan Minder ein neues Bern. Er hantiert
an der Original-Art-déco-Theke seines eben eröffneten Café Alpin
(Gerechtigkeitsgasse 19) und ist stolz auf die Coiffeurstühle, die er im
Matte-Puce gekauft hat, dem Secondhandmöbel-Laden mit Bar und Aare-Blick
(Wasserwerkgasse 5). Dass Bern oft als langweilig belächelt wird, kann
Stephan nicht mehr hören. Dass es für Leute zwischen Teenie- und Rentenalter
wenig Ausgehmöglichkeiten gibt, nervt ihn aber auch. Darum soll sein
Doppellokal nicht nur zum Kleiderkaufen und Apérotrinken gut sein. Ende
Monat finden erste Musikevents statt: berndeutsche Lieder, Tango,
Elektropop. Was und wann, erzählt er am Telefon (031 311 25 75) oder im
Alpin, wo er fast immer zu treffen ist - bei Abendsonne draussen an einem
der Tischlein in der Laube. Vor dem Café del Sud (Nähe Klee-Zentrum) sitzen
die Leute schon mittags gedrängt an Bistrotischen und schauen durch
Olivenbäume auf die Ostringstrasse. Focaccia und Amaretti, Töggelikasten und
Kaffee gibts hier - und manchmal Konzerte oder Fotoausstellungen (Egelgasse
65).
Kunst
Die kleine Stadt hat eine grosse Kleintheaterbewegung. Seit dem Höhepunkt
in den 60er- und 70er- Jahren sind allerdings einige Theater eingegangen.
Das Kleintheater Kramgasse 6, wo Meret Oppenheim Picassos einziges
Bühnenstück uraufführte, gibts nicht mehr, dafür in selbigen Räumen
Ausstellungen, eine Bar - und «ono» (Berndeutsch: «auch noch») Theater. Der
Berner Regisseur Daniel Kölliker hat in den zwei Kellergewölben vor
anderthalb Jahren das Ono eröffnet, einen Dreispartenbetrieb: Bühne, Galerie
und Bar. Da gibts Lesungen, Punk-unplugged-Konzerte, Ausstellungen (aktuell:
Gemälde zu Einsteins Relativitätstheorie) und Partys (Deep House usw.). Ono
bietet eine Mischung zwischen Kommerz und Innovation, eine Plattform für
professionelle und noch nicht sehr arrivierte Künstlerinnen und Künstler.
Allein die schlichte Innenarchitektur ist es wert, die Stufen hinunter in
den typischen Altstadtkeller zu nehmen (www.onobern.ch).
Weniger zeitgemäss, aber nicht minder interessant: Im Museum für
Kommunikation wartet der Inbegriff der Biederkeit unter surrenden Lampen auf
Besuch - die Briefmarke. In der weltweit einmaligen Sammlung sind 500 000
bunte Papierchen aus aller Welt sauber archiviert (www.mfk.ch).
Einkaufen
Rudolf von Erlach gewann die Schlacht von Laupen 1339 und sitzt hoch zu
Ross auf einem Sockel mitten in Bern. Vor ihm das Stadttheater, hinter ihm
Berns Auge zum Universum der Kunst und Architektur: UFO steht da in
neonfarbigen Leuchtbuchstaben in einem Schaufenster. Im Laden: Bildbände,
Zeitschriften, Karten, Bücher. Über die Stadtplanung in Bern zum Beispiel,
über neue chinesische Architektur oder Graphic Design aus Barcelona. Die
Lauben mögen eine der längsten geschützten Einkaufspromenaden Europas sein
(6 km), UFO ist eines der geschmackvollsten Buchgeschäfte überhaupt
(Brunngasse 60). Wenige Meter entfernt davon fährt ein verglaster Lift in 30
Sekunden von der Münsterplattform in die Matte. Er heisst Senkeltram, fährt
seit 1896 und erlaubt für 1.20 Fr. einen fantastischen Blick auf die Aare.
«Merci u adiö», sagt der Liftchauffeur - und schon steht man fast vor der
Schneiderei am Fluss (Schifflaube 48). Der Laden ist neu. Eine Coiffeuse und
eine Schneiderin verkaufen frisches Aussehen. Wer Bern-Typisches posten
will, kauft Süsses. In der Traditionsbäckerei Glatz (Zeughausgasse 41)
stehen sie im Viererpack oder als Einzelstück zum Kauf bereit: die
köstlichen Mandelbärli, in fünf Sorten, mit treuem Blick.
Draussen
Er ist nicht weit und doch allgegenwärtig: Paul Klee. Seine Werke sind
demnächst in Renzo Pianos Meisterbau zu sehen, und ganz in der Nähe prangen
seine Worte auf Strassenschildern. «Schreiten und Gleiten» heisst es zum
Beispiel beim Egelsee. Spiegelglatt das Wasser, durch Schilf und Gras
watscheln Enten. Vogelstimmen in jeder Tonlage, als wäre man mitten in einem
Naturschutzgebiet. Auf einem Bänkli sitzen zwei Jungs, Dächlikappe, Chips
und Cola, auf dem schmalen Weg joggt eine Frau den See entlang. «Warum zu
Fuss?», steht am See-Ende auf einem Strassenschild - auch dies Worte von
Grossmeister Klee. «Es promeniert» heisst der Weg, der zurückführt zum
Ausgangspunkt, weg vom See und hin Richtung Stadtzentrum. Dort, unweit des
Bahnhofs, führt eine Treppe von der Lorrainebrücke hinunter in die Exotik.
Der Botanische Garten hat ein grosses Palmen- und ein kleines Orchideenhaus,
Kräuter aus allen Ländern der Welt und viele Bänkli. Im Gras sitzen drei
Frauen - nein, sie machen nicht Yoga - und blinzeln in die Abendsonne. Und
unten die Aare, kurz oberhalb der Lorraine-Badi, wo der Fluss langsam
fliesst und schon im Mai Pommes-frites-Geruch über grünem Wasser und Gras
schwebt.
Essen und schlafen
Ungewöhnlich in Bern: Fürein Essen im MahaMaya (Länggassstr. 43, Tel. 031
301 01 01) muss man eine Woche zum Voraus reservieren. Das neue kleine
indische Restaurant mit Bollywoodfilmen läuft wie geschmiert. Der
Inder-Berner Äschu und der Griechen-Berner Giorgio können selbst nur noch
staunen. Nun entsteht noch ein Wintergarten. Unschlagbar sind die Speisen,
von indischen Köchen zubereitet, die via Arbeitslosenprojekt zum Maha Maya
gekommen sind. Auch ins Restaurant Rosengarten (www.rosengarten.be) geht man
neuestens dank dessen guter Küche - und der neuen, schlichten Einrichtung.
Noch immer ist die Aussicht auf die Altstadt von hier am schönsten.
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Bellevue
Palace Hotel Berne *****
Das luxuriös ausgestattete Hotel verfügt über eine zentrale Lage neben dem
Parlamentsgebäude und ist bei internationalen Berühmtheiten äußerst beliebt.
Hier finden Sie wunderschöne traditionelle Architektur in perfekter
Kombination mit einer hochmodernen Infrastruktur. Exklusiver Komfort und
freundlicher Service sorgen dafür, dass Sie sich hier rundum wohlfühlen
werden. |
Ausgang
«Fussballspiel verboten» steht auf dem Schild hinter der Kletterstange
bei der Bar. Von der Decke baumeln Turnringe, französische Chansons und
Rauch hängen im Raum, die Sonne strahlt gebrochen durch hohe Fenster, und
draussen auf der Terrasse: Geplauder. Abendstimmung in der Turnhalle, die
einst eine war und heute zwar noch so heisst, aber zum angesagten Kultur-
und Ausgangsort Berns geworden ist. Hier finden Diskussionen statt,
Theatervorführungen, Filmnächte und Parties. Die Turnhalle gehört zum Progr,
wie man in Bern das Progymnasium nennt. Kulturelle Zwischennutzung heisst
das, was in diesem Haus nun geschieht: Ursprünglich hätte das Klee-Museum
einziehen sollen, heute arbeiten über 80 Menschen in den Ex-Schulzimmern an
ihrer Kunst. Nach acht Uhr abends tummelt sich die halbe Stadt in der
Turnhalle (www.progr.ch). Die andere Hälfte, eher an Jazz als an Elektro
interessiert, sitzt derweil in Marians Jazzroom - nicht neu, aber eine
Sensation: Hier treten Jazzgrössen von Weltklasse auf. Grössen anderer Art
sieht man in La Cappella (www.la-cappella.ch), einer umgebauten Kapelle mit
Chansons und Kabarett im Programm - von Franz Hohler oder den Berner
Troubadours.
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