Stephan Hilpold war auf Lokalaugenschein auf Bali und in Malaysia und
besuchte Tempeltänzer- innen, Strandverkäufer und Tourismusmanager

Die Augen rollen sie mechanisch, von links unten nach rechts oben, die Hände
sind nach außen gespreizt, die Zehen nach oben gebogen. Von einer Pose gleiten
sie in die nächste, jede einzelne wirkt wie eingefroren, und doch ist hier, in
der Sudi-Tanzschule im Ort Blahbatu, alles in unaufhörlicher Bewegung.
"Lächeln!", trichtert der Tanzlehrer den rund zwei Dutzend Tanzschülern immer
wieder ein, doch so einfach ist das Zusammenspiel von Bewegung und Ausdruck
nicht. Dabei wäre höchste Konzentration gefragt: In Balis Tänzen drücken sich
nicht weniger als die Kämpfe der Götter und das Selbstbewusstsein der Krieger
aus, sie erzählen von schönen Frauen und bösen Dämonen, bündeln Mythen und
Geschichten.
Mannigfaltige Mimik
"Die Balinesen verfügen für alle Lebensumstände über Gebärden und
mannigfaltige Mimik", hatte der große Theatermacher Antonin Artaud begeistert
geschrieben, als er in den Dreißigerjahren des vergangenen Jahrhunderts in Paris
eine Tanzgruppe aus Bali beobachten konnte, und fuhr überschwänglich fort: "Das
Drama spielt sich nicht zwischen Gefühlen, sondern zwischen Geisteszuständen
ab." Diese erzählen in ihrer mystischen Fremdheit von nichts weniger als von
einer Insel, die in unseren Breitengraden am liebsten als das "sanfte Paradies"
apostrophiert wird, in Wahrheit aber eine wechselhafte, teilweise sehr
schmerzhafte Geschichte besitzt.
"Vor allem die Ereignisse der vergangenen Jahre haben die Balinesen und
natürlich auch den Tourismus empfindlich getroffen", sagt der Österreicher
Robert Köhler, der seit über zwanzig Jahren jeweils die Hälfte des Jahres auf
Bali verbringt: "Und das nicht einmal, sondern immer und immer wieder." Erst die
Wirtschaftskrise 1997, dann die Auswirkungen auf den weltweiten Tourismus im
Gefolge der Twin-Tower-Terroranschläge. Die Unruhen und Kriege im Rest
Indonesiens, dann auch noch Sars. Schließlich 2002 der Anschlag in Kuta, der den
Tourismus beinahe vollständig versiegen ließ. Und jetzt der Tsunami: Banda Aceh
ist über 2500 Kilometer entfernt, beruhigen Hotelmanager und
Tourismusverantwortliche unisono, besucht man dieser Tage die in den letzten
Monsuntagen unter der hohen Luftfeuchtigkeit stöhnende Insel. Derzeit verzeichne
man sogar ein leichtes Umsatzplus, da viele Touristen von den betroffenen
Gebieten nach Bali ausgewichen seien.
|
|
Melia
Bali Villas and Spa Resort *****
Das Melia Bali liegt direkt am wunderschönen Strand von Nusa Dua, nur wenige
Minuten vom internationalen Flughafen Ngurah Rai, Einkaufs- und
Unterhaltungsmöglichkeiten, Restaurants, Wassersportangeboten und einem
18-Loch-Turniergolfplatz entfernt. |
Reist man via Malaysia nach Bali
... dann kommen einem die Sorgen und Klagen der balinesischen
Tourismusindustrie wie ein Echo der malaiischen vor. Auf Langkawi etwa, der
nördlichsten Insel Malaysias, die von Phuket ähnlich weit entfernt ist wie die
Hauptstadt Kuala Lumpur, hat der Tsunami nur einen relativ kleinen
Küstenabschnitt betroffen. Ein Hotel musste geschlossen werden, eine Person kam
ums Leben. Weisen Einheimische nicht auf die Schäden hin, dann fallen sie einem
als Besucher gar nicht auf.
|
|
Aseania
Resort Langkawi ***
Das Aseania Resort liegt im Süden der schönen Insel Langkawi, deren
zahlreiche Sehenswürdigkeiten von hier aus leicht zu erreichen sind. Die
atemberaubende Schönheit dieser gebirgigen Landschaft ist die perfekte
Kulisse für einen echten Traumurlaub. Das Hotel bietet seinen Gästen
zahlreiche Wassersportmöglichkeiten, wie etwa Windsurfen, Segeln, Wasserski
und Kanu fahren, so dass für reichlich sportliche Abwechslung gesorgt ist. |
Im Unterschied zu Bali ist hier gerade Hauptsaison, die Hotels sind gut
belegt, doch es könnte auch ein bisschen mehr sein. Innerhalb relativ kurzer
Zeit hat Malaysia aus dem verschlafenen Archipel eine Tourismusdestination
gemacht, samt Shoppingmalls und futuristischen Aussichtsplattformen oben auf den
Bergen der Insel (Bild rechts) . Umso massiver die Ängste, potenzielle Touristen
könnten sich durch die Nähe zum Katastrophengebiet abhalten lassen. Auf Bali
wissen von solchen Sorgen auch die Strandverkäufer ein Lied zu singen. Wie jeden
Tag angeln sie sich an den Stränden von Nusa Dua, Kuta oder Legian von einem
Touristen zum nächsten. Um einige Dollars bieten sie Massagen an, die in den
Hotelkomplexen nur um das Vielfache zu haben sind, sie verkaufen billige
Batikstoffe und überdimensionale Muscheln. Nur langsam erholen sie sich von den
Anschlägen von vor zwei Jahren, jetzt sind ihnen die Sorgen wieder ins Gesicht
geschrieben.
Trotzdem: Der Ramsch gedeiht auf Bali wie eh und je
... verzückt stürzen sich die Touristen darauf und bemerken nicht, dass es
nur einige Straßenzüge weiter auch die wirklich schönen Stücke gibt. Das scheint
auf Bali in allen Bereichen so zu sein: Wer nach Kuta, das indonesische
Ballermann, fährt, oder nach Nusa Dua, einer riesigen, sterilen Ferienanlage,
dem entgeht ein Bali, das sich viel von den Besonderheiten und Traditionen
erhalten hat, die bereits die ersten Reisenden - in den Zwanziger- und
Dreißigerjahren waren dies vor allem Schriftsteller und Maler - an dieser Insel
faszinierten. Anderntags etwa in Ubud: Die alte Fürstenresidenz liegt
verschlafen inmitten von Reisterrassen, Motorräder knarren durch die Gassen, ein
Laden neben dem anderen versucht, Ölgemälde zu verscherbeln.
Ubud ist das Zentrum balinesischer Malerei
... und diese ist zu einem wichtigen Stück auch europäisch. Der deutsche
Walter Spiess, der hier bis 1939 lebte, wurde mit seinen Ubud-Bildern zu einem
der wichtigsten Tropenmaler neben Gauguin. Eine ganze Reihe von Malern haben
sich seitdem in diesem Städtchen in den Bergen oder auf Bali niedergelassen.
(Der bekannteste österreichische Maler: der kürzlich verstorbene Robert
Zeppel-Sperl) Ganz hat der Tourismus Ubud allerdings noch nicht in der Hand, vor
allem, macht man einige Schritte hinaus auf die Reisfelder, die hier auf Bali
heute noch genauso bestellt werden wie vor Jahrhunderten. In den Bergen, vor dem
Panorama der sich auftürmenden Vulkane, ist das besonders gut zu beobachten.
Nahe des Bergdorfs Pupuan, im Nordwesten der Insel, mühen sich die Bauern, mit
ihren Rindern die wasserschwere Erde zu pflügen, Enten watscheln durch die
Reisterrassen, daneben schlagen Frauen mit Büscheln von Reisgarben gegen ein
Brett, damit sich die Ähren lockern und die Reiskörner zu Boden fallen. Dieses
Ritual ist jetzt, zur Zeit der Ernte, immer wieder auf der Fahrt über die an
jeder Weggabelung mit neuen Einblicken lockende Insel zu erleben.
Lange dauert die Fahrt, bis man den übervölkerten Süden hinter sich gelassen
hat, die sich immer weiter ausbreitende Hauptstadt Denpasar, und bis die
Besiedlungen lockerer werden. Links und rechts düsen die allgegenwärtigen
Motorräder vorbei, Lastwägen verstopfen die Straße. Im Norden begegnet man dann
einem ganz anderen Bali, viele Backpacker sind hier unterwegs, die Atmosphäre
ist ruhiger und auch gelassener. Aus dem gleißenden Grün erhebt Singaraja, die
alte Haupt- und Hafenstadt, fast unmerklich ihr Haupt, viele Häuser sind noch im
holländischen Kolonialstil. (Australische) Surfer wie in den
Massentourismusorten Balis tummeln sich hier keine, das Badevolk bleibt im
aufgeregten Süden. So tritt sich niemand auf die Füße. Und das ist gut so.
|