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Shopping-Eldorado Hongkong

Hongkong ist eine der atemberaubendsten Städte der Erde. Seit 1997 wieder zu China zugehörig, bietet diese faszinierende Metropole prickelnde Urbanität und zauberhafte Exotik. Hongkong-Reisende profitieren in dem Shopping-Paradies von fallenden Preisen in Fernost

Wegen der ungewissen Zukunft und des Börsenkrachs in Fernost sind die Besucherzahlen nachdem sich Hongkong von der britischen Krone gelöst hatte um 25 % zurückgegangen. Die Folge: freie Hotelbetten sowie sinkende Preise, Flughafen- und Hotelsteuer. Daher gibt es jetzt viele günstige Schnäppchen-Reisen im Angebot. Höhepunkt in diesem Sommer: die Eröffnung des größten Flughafens der Welt.

Annäherung an Hongkong

Das Flugzeug verliert kontinuierlich an Höhe und durchbricht die Wolkendecke. Was man nun sieht, ist Wasser, viel Wasser. In dem Blau des Südchinesischen Meeres erkennt der Reisende vereinzelte Farbtupfer. Es sind Dschunken und Fischerboote, Containerschiffe und Öltanker, die alle ein gemeinsames Ziel haben: den „Duftenden Hafen“ von Hongkong. Nun sieht man immer mehr Inseln, von denen die meisten unbewohnt sind. Die größte heißt Lantau Island und gehört zum Territorium der chinesischen Sonderverwaltungszone Hongkong.Der Langstreckenjet landet auf dem gigantischen neuen Flughafen Chek Lap Kok, bis vor kurzem noch die größte Baustelle der Welt. Dieser löst im Juli 1998 endgültig den alten Flughafen Kai Tak ab.Der Besucher ist angekommen im Zentrum Asiens, in der Welthauptstadt des 21. Jahrhunderts, deren Kraft ungezügelt ist und immer wieder neue Weltwunder hervorbringt. Eines dieser Wunder ist der neue Hongkonger Flughafen, der mehr als 20 Milliarden US$ kostete und durch eine riesige Brückenkonstruktion mit der City verbunden ist. Die 1370 Meter lange Tsing Ma-Bridge wurde am 27. April 1997 von Margaret Thatcher eingeweiht. Sie ist Teil einer neuen Autobahn und einer Zugstrecke, über der ab Juli 1998 die Hightech-Bahnen im Minutentakt zwischen Chek Lap Kok und der Innenstadt verkehren.

Eingangstor zu Asien

Das Hongkong von heute ist so verheißend wie nur wenige Orte auf der Welt. Hier scheint sie gelungen: die Verschmelzung von Ost und West. Hongkong ist harmonisch, aber trotzdem hektisch und immer in Bewegung. Die Stadt hat die höchste Bevölkerungsdichte, aber dennoch eine der niedrigsten Kriminalitätsraten der Welt. Um diese Widersprüche zu verstehen, genügt es nicht, alle Sehenswürdigkeiten abzuhaken. Man muß die einzigartige Atmosphäre auf den geschäftigen Straßen der Stadt und die Mentalität der Menschen erleben.

Hafenbummel im Abendlicht

Der beste Einstieg in die Faszination Hongkong ist ein abendlicher Bummel über die Tsim Sha Tsui-Hafenpromenade. Unzählige Schiffe kreuzen zwischen Hongkong Island und Tsim Sha Tsui (Südende von Kowloon) den sehr schmalen Victoria Harbour. Hinter dem Schiffsgewimmel steigt ein Panorama aus den Fluten, das weltweit seinesgleichen sucht. Die Glasfassaden reflektieren die untergehende Sonne, so daß der Eindruck entsteht, die Hochhäuser stünden in Flammen. Ist die Sonne erst einmal untergegangen, begrüßt eine schweigende Lichtfanfare mit Tausenden von Leuchtreklamen den jungen Abend. Hunderte von Scheinwerfern illuminieren die pompösesten Wolkenkratzerpaläste so effektvoll von allen Seiten, daß nicht mehr auszumachen ist, wo die Stadt aufhört und der Himmel mit seinen tiefliegenden Wolken beginnt.

Wettbewerb der Wolkenkratzer

Die Wolkenkratzer werden von dem noch höheren Bergmassiv von Hongkong Island überragt. Dadurch wirken die drei höchsten Türme der Hongkonger Skyline einerseits erhaben über dem Victoria Harbour, gleichzeitig jedoch nicht so kühl und einsam. Genau in der Mitte des Breitwandpanoramas steht der höchste Bau der Stadt, das Central Plaza. Obwohl gerade erst 5 Jahre seit seiner Fertigstellung verstrichen sind, kann man sich die Skyline der Stadt ohne diesen dominanten Turm so wenig vorstellen wie Paris ohne den Eiffelturm. Was das Empire State Building für die westliche, ist das Central Plaza für die östliche Hemisphäre. Die Ähnlichkeit mit dem älteren Bruder in New York ist offensichtlich. Erst recht, wenn man die protzige Lobby betritt. Die Ornamentik ist jedoch – im Gegensatz zum Empire State Building – aus echtem Blattgold.Der 78stöckige Wolkenkratzer ist mehr als nur ein Gebäude: Er ist ein Siegeszeichen des asiatisch-pazifischen Booms, der in den letzten Monaten etwas ins Stocken, aber sicherlich noch nicht an seine Grenzen geraten ist.Nachts leuchten goldene Streifen, der Antennenschaft dient als „Lichtuhr“.Im Gegensatz zum New Yorker Pendant gibt es leider keine offene Aussichtsplattform. Dafür kann man von der Skylounge im 47. Stockwerk die Aussicht in alle Himmelsrichtungen genießen. Eine solche „Himmelshalle“ besitzt auch das Gebäude, ohne dessen Anwesenheit das Central Plaza vielleicht nie entstanden wäre: die nur sechs Meter niedrigere, aber dafür bekanntere Bank of China. Man wollte dieses rotchinesische Bankgebäude mit seinen markanten spitzen Ecken übertreffen, koste es, was es wolle.Dem mit 468 Metern noch höheren Nina-Tower verweigerte die Hongkonger Baubehörde schlichtweg die Genehmigung. Dafür durfte jedoch der Bautycoon Li Ka-shing jüngst einen Wolkenkratzer an der Queens Road Central hochziehen, der mit seinen 333 Metern dritthöchstes Gebäude Hongkongs ist: Dieser 75geschossige Cheung Kong Tower stellt ein Vertrauensbeweis für die Prosperität Hongkongs nach 1997 dar. Denn im hypermodernen Hongkong ist auch die Tradition überall sichtbar. Den Architekten wird selten völlig freie Hand bei dem Entwurf eines Hauses gewährt. Oftmals wird ein Feng Shui-Meister zu Rate gezogen.

Glaswand für ein Drachenbad

Feng Shui heißt auf deutsch „Wind und Wasser” und soll bewirken, daß die Natur und die Eingriffe des Menschen miteinander harmonieren. Wichtig sind dabei etwa Zahlensymbolik, die Lage der Ein- und Ausgänge sowie der Aufzüge. Möglichst alle positiven Kräfte sollen auf das Gebäude ausgerichtet und negative Strömungen abgewehrt werden. Außerdem müssen chinesische Mythenwesen wie beispielsweise Drachen und deren „Lebensgewohnheiten“ berücksichtigt werden. Deshalb besitzt das Regent Hotel an der Südspitze von Kowloon zum Wasser hin eine riesige Glaswand, damit der Drache aus den Bergen Kowloons jeden Morgen sein Bad im Hafen nehmen kann. Eine Wand anstelle des Glases würde jedes nur erdenkliche Unheil auf das Hotel richten. Da dies niemand will (außer die erbarmungslose Konkurrenz), wird ein Geomant um Rat gefragt, der mit Hilfe eines speziellen Kompanten alle Widrigkeiten eines Ortes ausloten kann.Auch der Aberglaube spielt eine große Rolle in Hongkong. Bestimmte Zahlen wie 3, 8 und 9 bedeuten Glück, Wohlstand und ein langes Leben. Es gibt sogar Auktionen, bei denen glücksbringende Autonummern versteigert werden. Daß dann schon einmal Millionen für eine bestimmte Autonummer gezahlt werden, ist nicht selten.Nähert man sich den besagten Türmen von Hongkong Island am ersten Morgen mit der Star Ferry, werden erst die wahren Ausmaße des Stahl- und Glasgebirges deutlich. In der Stadt der Zukunft – und als nichts anderes erscheint einem der Central District – hat jedes Verkehrsmittel seine eigene Ebene. Unter der Erde fährt die MTR, Hongkongs U-Bahn, „über Tage“ staut sich der Straßenverkehr , und darüber befindet sich ein Gewirr aus klimatisierten Brücken und Passagen. Man kann den gesamten Central District durchwandern, ohne jemals den Himmel gesehen zu haben.

Hongkong nach Feierabend

Das Herz des Central Districts ist das Legco Building, eines der letzten „altertümlichen“ Gebäude Hongkongs aus dem Jahre 1912. Richtig voll wird es hier sonntags, wenn sich Tausende philippinischer Hausmädchen versammeln. Doch statt zu demonstrieren, legen sie Kassetten in ihre Plastikrecorder und tanzen! Doch der Chater Garden, so nennt sich die Anlage hinter dem Legco -Gebäude, ist nicht der einzige Ort, an dem auf der Straße getanzt wird. „Dancing in the Street“ ist auch allabendlich in Lan Kwai Fong angesagt. Lan Kwai Fong ist ein einzigartiges Bar- und Kneipenviertel ein Stück oberhalb des Central Districts. Da die Bars, in denen sich sehr viele in Hongkong lebende Europäer treffen, sehr klein und eng sind, steht fast jeder mit seinem Drink draußen auf der Straße. Um Mitternacht, wenn die Stimmung den Höhepunkt erreicht hat, tanzen die Menschen ausgelassen auf dem Bürgersteig. Und neun Stunden später sind sie wieder korrekt im Business-Dress gekleidet und gehen ihren normalen Geschäften nach.Hongkong ist keine Stadt für Langschläfer. In Hongkong heißt es, daß vier Stunden Schlaf täglich ausreichen! Und so sieht man schon früh um sechs die Menschen in den Parks beim traditionellen Schattenboxen.Hongkong wirkt nur auf den allerersten Blick westlich. Obwohl sich diese Stadt ständig neu erfindet, bewahrt sie trotzdem ihre chinesische Seele. Optisch verliert Hongkong immer mehr seine Einzigartigkeit. In der ganzen Stadt sprießen billig wirkende Glas- und Stahltürme aus dem Boden, die an Einfallslosigkeit kaum noch zu überbieten sind. Die allerwenigsten sind so herausragend wie das Central Plaza oder die Hongkong and Shanghai Bank. Viertel wie Mongkok oder Yau Ma Tei verlieren immer mehr an Atmosphäre.

Traumhaftes Panorama

Als paradox erscheint es, daß gerade die Stadt, die einzig und allein um Geld zu verdienen gegründet und über Jahrzehnte hinweg ausgebaut wurde, heute als die schönste Stadt der Welt gilt. Die faszinierendste ist sie allemal. Ein nächtlicher Blick vom Victoria Peak beweist es. Befand sich vor einiger Zeit auf dem Berg nur kleiner chinesischer Aussichtspavillon, so stehlen sich hier heute zwei riesige Shoppingcentren gegenseitig die Schau. Die Hongkonger begrüßen das neue Shopping -Eldorado: Endlich brauchen sie auch dort nicht mehr auf ihren McDonalds zu verzichten. Denn selbst in der Konsumierung von Fast Food sind die Hongkong-Chinesen einsame Weltspitze.

Baden auf Hongkong Island

Gleich hinter dem Victoria Peak beginnen auf der anderen Seite von Hongkong Island die schönsten Strände der Stadt. Die abwechslungsreiche Insel Hongkong Island ist ein Mikrokosmos. Sie besitzt von jedem Teil der Erde ein Stückchen, genauso wie inzwischen jede Stadt der Welt ein Stück Hongkong aufzuweisen hat. Wie kann man Hongkong Island am besten beschreiben? Man stelle sich als Grundlage Manhattan vor. Über der Stadt thront Beverly Hills, an den Randzonen liegt Shanghai und an der Rückseite eine Mischung aus französischer Riviera und Waikiki Beach. Und wer über all dem stehen möchte, muß denVictoria Peak besteigen. Der Blick über die „Stadt der Träume“ (Simon Winchester in „Above the Barren Rock“) ist atemberaubend. Die Glaspaläste von Central glitzern im Schein der untergehenden Abendsonne, und im Hafen liegen Hunderte Schiffe vor Reede, so als wollten sie nie wieder die schützende Bucht verlassen. Diesen Wunsch verspürt auch der Reisende, wenn die Sonne hinter den Bergen von Lantau verschwunden ist und Millionen Lichter verkünden, daß in Hongkong der Tag niemals zu Ende geht.

 

 
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