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Süditalien ist mehr als
Neapel,
Sizilien und von der Sonne verbranntes Land: Nur zwei Flugstunden von
Deutschland entfernt liegt in der äußersten Stiefelspitze Italiens die wenig
bekannte Region Kalabrien. Zwischen Tyrrhenischem und Ionischem Meer
finden Touristen viele Kilometer Strand und ein angenehmes Klima - selbst im
Winter. An keinem Punkt sind es mehr als 40 Kilometer bis zum Wasser. Das
hügelige Landesinnere ist besonders im Herbst attraktiv, wenn Maronenbäume,
Zitronen- und Orangensträucher schwer tragen und die landestypische rote
Zwiebel "Cipolla rossa" geerntet wird.
Touristisch ist Kalabrien noch verhältnismäßig unerschlossen. Die wenigen
Hotelanlagen stammen meist aus den siebziger Jahren, kleinere Pensionen sind
in Familienhand. "Wenn jemand zum Feiern in die Region kommt, ist er falsch,
denn das hier ist nichts für Fußballclubs oder Kegelvereine", sagt Christian
Luge vom Meeting Point Calabria im Küstenort Tropea, dessen Unternehmen die
Gäste von Reiseveranstaltern betreut. Nur die tyrrhenische Küste um Pizzo
und Vibo Marina wird im Juli und August zum Feriendomizil vieler Italiener
aus dem Norden.
Bald könnte es mit der Ruhe vorbei sein
Ob das noch lange so bleibt, ist aber offen. Der Reiseveranstalter FTI
Touristik aus München will für den Tourismus in Süditalien "eine völlig neue
Dimension" öffnen: Im Mai soll mit 600 Zimmern und Suiten das
Vier-Sterne-Hotel "Garden Resort Calabria" den Betrieb aufnehmen. Laut FTI
ist es das größte Ganzjahres-Resort Italiens. Auch andere Anbieter wie TUI
und Neckermann haben Kalabrien in ihren Katalogen.
Die Maschinen mit den Touristen landen in der Regel auf dem Flughafen
Lamezia Terme im Zentrum Kalabriens oder auf dem Airport der
Provinzhauptstadt Reggio di Calabria im äußersten Süden. Kalabrien ist mit
2,1 Millionen Einwohnern auf einer Fläche von rund 25.000 Quadratkilometern
vergleichsweise dünn besiedelt und in etwa so groß wie
Mecklenburg-Vorpommern. Die Region teilt sich auf in die Provinzen
Catanzaro, Cosenza und Reggio di Calabria.
Schafskäse, Wein und Eis aus der Region
Was die Natur verspricht, löst die kalabrische Küche ein: Auf
Genussmenschen warten zu fast jedem Gericht die scharfen "Peperoncino", der
Schafskäse "Pecorino" oder eine chutneyähnliche Marmelade aus der "Cipolla
rossa". Die Pizzabäcker legen nach Feierabend Maronen in die Ofenglut, an
deren geräucherter Note sich am Tag darauf die Gäste erfreuen können. Beim
Essen darf ein Wein aus der Region nicht fehlen: Wohl am bekanntesten ist
der Cirò, der im gleichnamigen Ort angebaut wird. "Am Sonntag fahren viele
Leute aus der Region dann zum Tartufo-Eisessen nach Pizzo, wo die berühmte
Kalorienbombe erfunden wurde", sagt Fremdenführerin Ellen Holetzke.
Die richtige Zeit, um Kalabrien zu besuchen, ist der "tempo fino", das
feine Wetter ab November, wenn der heiße Sommer vorüber ist. Im Winter wird
es tagsüber selten kälter als 12 Grad.
Italienische Lebensfreude an der Stiefelspitze
Abgesehen von den Jahreszeiten scheint in den Dörfern an der Küste die
Zeit stehen geblieben zu sein. Besucher von Tropea mit seinen 8000
Einwohnern erleben etwa, wie die Bewohner am Abend und vor allem am
Wochenende auf den Corso Vittorio Emanuele und die anliegenden Plätze
strömen, um zu flanieren. "Alle, selbst die Alten, machen sich schick",
erzählt Holetzke. Die Jüngeren steuern vorzugsweise ihre Autos Runde um
Runde durch die engen Gassen.
Touristen mieten sich am besten ein Auto, um Kalabrien zu erkunden. Ein
Kleinwagen ist ab 50 Euro pro Tag zu haben. "Man kann beispielsweise zu den
Köhlern in die Berge fahren", rät Luge. Als Kulturhauptstadt der Region gilt
Cosenza. Die barocke Altstadt mit Kirchen und einem Kastell ist für
historisch Interessierte einen Besuch wert. Wenn dann noch Zeit bleibt,
könnte der Weg zum Beispiel über die Straße von Messina weiter nach Sizilien
führen.
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