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Trotz der Konflikte mit der EU und den USA, trotz politischer und
sozialer Krisen in Frankreich
ist
Paris nach wie vor die meistbesuchte Metropole der Welt. Die Königin der
Weltstädte bezaubert immer wieder durch grenzenloses Selbstvertrauen und
neuerdings auch durch ein starkes Heimweh nach der Zukunft.

Paris ist eine Lichtgestalt voller Selbstbewusstsein. Eine glamouröse
Diva mit viel Charme und jeder Menge Eigenheiten. Die Königin des Westens.
Stolz, eitel und ein wenig abgehoben, zugleich aber auch bodenständig und
demokratisch, proletarisch und offenherzig ehrlich. Auf mich wirkt Paris wie
die präzise Schauspielerin Cathérine Deneuve: Man kann vieles bei ihrem
Spiel entdecken, sie lässt gerne Deutungen zu, dennoch bleiben etliche
Facetten ihres Seins ein ewiges Rätsel.
Auf jeden Fall ist die Metropole an der Seine quicklebendig und weltoffen.
Bietet Esprit und Eleganz, Schönheit und Reichtum. Ist spannend und voller
Traditionen. Zugleich aber auch verliebt in die Zukunft und eine neue
eindrucksvolle Hochburg des internationalen Lifestyles. Haute Couture, Haute
Cuisine und Design nouveau. Klar konzentrieren sich die meisten Touristen
auf das klassische Paris mit Eiffelturm, Champs-Elysées, Louvre, Quartier
Latin und Notre Dame, auf die Place de la Concorde, auf Disneyland oder auf
die Tunneleinfahrt, die Lady Di zum Verhängnis geworden ist. Immer noch
werden dort täglich rote Rosen neben brennenden Kerzen abgelegt. Und
selbstverständlich will das legendäre Pariser Nachtleben erforscht werden,
das auf dem Montmartre heute längst nicht mehr so verrucht ist wie zu den
Zeiten des Malers Henri Toulouse Lautrec. Auch die ästhetisch einwandfreien
Erotikshows von „Crazy Horse“, „Moulin Rouge“ oder „Lido“ sind jugendfrei ab
16 und werden gerne von Ehepaaren besucht. Darüber hinaus gibt es an der
Seine viel Neues zu entdecken. Wer sich darauf einlässt, wird aus dem
Staunen nicht herauskommen.
Paris nouveau. Wer das neue Paris nicht kennt, der kann nicht mitreden.
So einer weiß nichts über Moden und Marken, über Chic und Savoir-vivre. Vor
den Designerläden stehen die Menschen Schlange. Männer vom Sicherheitsdienst
sperren den Eingang mit einem Seil ab und regeln den Zutritt. Cartier, Louis
Vuitton, Hermés, Chanel. Vor allem Asiaten sind von den Labels begeistert
und kaufen Seidentücher um 400 Euro, Handtaschen um 4000 Euro, Armbanduhren
um 40.000 Euro. Und es gibt neue coole kleine Shops mit betörendem Design-Schnickschnack
für das individuelle Wohnen, Leben und Genießen. Im „FR66“ findet man die
ausgeflipptesten Blumenvasen der Welt, bei „Colette“ gibt’s exklusive Bücher
und CDs sowie Schmuck und Kleidung, im „TsuTsu“ werden sauteure japanische
Klamotten mit wilden Dessins aus hellem Schlangenleder verkauft. Auch in den
engen Gassen der hip gewordenen Stadtviertel stößt der Besucher auf sehr
eigenartige Geschäfte, wie man sie anderswo in Europa wohl kaum finden wird.
Als Insider-Tipps möchte ich die Rue Vieille du Temple im Marais-Viertel
hinterm frisch renovierten Centre Pompidou, die Rue de Charonne bei der
Bastille und den Quai de Valmy empfehlen. Die besten und aktuellsten
Adressen findet der interessierte Stadtstreicher übrigens in der Sammlung
„Stile City Travel Paris“ (Christian-Verlag).
Die Architekten und die Stadtplaner beweisen ästhetischen Mut und
radikale Visionen und trauen sich, die neue Nationalbibliothek Francois
Mitterand wie eine gigantische Bücherwand aus Stahl und Glas oder das Palais
de Tokyo wie eine Fabrikhalle aussehen zu lassen. Für die schicken Hotels
und Gastronomietempel haben Designer wie Philippe Starck, Andrée Putman
oder Jacques Garcia in ihre Trickkisten gegriffen und einen elitären,
verspielten Rahmen für sexy Übernachtungen oder kulinarische Genüsse
geschaffen. In Lokalen wie dem „Bon“, dem „Kong“ oder dem „Cristal Room
Baccarat“ muss man oft wochenlang im Voraus einen Tisch reservieren, bevor
man 500 Euro für ein Abendessen loswird. Hotels wie das „Petit Moulin“ oder
das „Murano Urban Resort“ haben so gut wie nie ein Zimmer frei.
Paris putzt sich raus. Und hat sich geliftet. Man hofft, die Olympischen
Spiele im Jahr 2012 austragen zu dürfen – als „Spiele der Liebe“. Man möchte
nicht im EU-Einheitsbrei versinken, sondern eigene unabhängige Wege gehen.
Identität bewahren und Unverwechselbarkeit – wenn in Frankreich auch vieles
im Argen liegt, der Hauptstadt soll man das nicht anmerken. Politische oder
soziale Krisen werden in Paris so gut es geht wegretuschiert. In der ganzen
Stadt sind dutzende Trupps von Restaurateuren unterwegs, um die von den
Autoabgasen und vom Hausbrand geschwärzten Fassaden der alten napoleonischen
Bauwerke mit Laserstrahlen zu reinigen und tonnenweise Blattgold auf Dächern,
Kuppeln und Turmspitzen anzubringen.
Die meistbesuchte Metropole der Welt will ihre Gäste überraschen. Auch
mit kulturellem Engagement. Wer in Paris ins Kino gehen will, hat die Qual
der Wahl. Mehr als 300 unterschiedliche Filme stehen dort jeden Tag auf dem
Programm. Hunderte Theateraufführungen und Konzerte. Und die Pariserinnen
und Pariser gehen hin, um mitreden zu können. Kunst gehört zum Alltag.
Darüber wird in den Cafés, Bistros und Büros sehr leidenschaftlich
diskutiert.
Und da man im Rathaus weiß, dass längst nicht alle Bürgerinnen und Bürger
im Sommer auf Urlaub fahren können, wird das Ferienfeeling kurzerhand an das
Ufer der Seine geholt. Tonnenweise weißen Sand schüttet man in der Nähe von
Notre Dame auf, um den Bewohnern mitten in der City einen kostenlosen,
kilometerlangen Strand zu bieten, an dem sie sich aalen und Partys feiern
können. Bassins werden in der Seine versenkt und mit frischem Chlorwasser
gefüllt, damit man im Fluss auch baden kann, ohne mit dem Wasser in
Berührung zu kommen. Jedem die Seine!
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