ABEO >> Yachtcharter und Bootsverleih weltweit !!!
Für Schnäppchenjäger!
Click&Mix Reisen bei Expedia – Selbst kombinieren & bis zu 30% sparen

 

home
Jetzt bestellen


Das Luxus Kreuzfahrt-Gewinnspiel
Archiv

2005

Februar
 
Links
link zufügen
Hotel Club
Thailand
Vietnam
Frankreich

Gymnastik auf Kommando

Von Joachim Hoelzgen

Das rasante Wirtschaftswachstum in China hat auch der heimischen Luftfahrtindustrie einen Boom beschert. Das bedeutet nicht nur für die chronisch schlecht besetzten Flugzeugbesatzungen Dauerstress. Auch viele Passagiere müssen erst lernen, wie man sich richtig verhält. Das geht oft nur mit Drill.

Der Flug von Shenzhen nach Jinan in der Bierbrauer-Provinz Shandong scheint völlig normal zu verlaufen, glauben an Bord die wenigen westlichen Passagiere. Ihre Nachbarn blättern in chinesischen Zeitungen. Die Stewardessen der Shandong Airlines tragen Tee auf und dann Huhn mit Reis und Sojasoße.

Plötzlich, nach gut einer Stunde in der Luft, ertönt über die Lautsprecher der Boeing 737 das Kommando "ti cao", auf Deutsch: Gymnastik.

Die Ausländer, des Chinesischen nicht kundig, nehmen an, dass eine Sicherheitsübung begonnen hat. Doch rasch werden sie eines besseren belehrt: Wie einst zur Zeit des Großen Vorsitzenden Mao Zedong, als ganze Fabrikbelegschaften Arme und Beine strecken und den Rumpf beugen mussten, exerzieren nun die Flugzeuginsassen in ihren Sitzen. "Alles nachmachen", lautet der Befehl der Stewardessen vor der jeweils nächsten Übung - dem Durchdrücken der Knie etwa und das Verschränken der Hände über den Schultern.

Für die Flugbegleiterinnen ist das Turnen eine willkommene Abwechslung. Denn der Arbeitsalltag hoch über den Wolken Chinas verlangt ihnen viel ab, und das Klima in den Passagierkabinen ist oft rau. Schon beim Einsteigen in die Maschinen von Staatslinien wie Air China oder China Southern werden gern die Ellenbogen ausgefahren oder klingeln die Mobiltelefone selbst noch auf dem Rollweg zum Start. Gepäckablagefächer schließen nicht, weil Mitbringsel überquellen.

Dank des Wirtschaftswunders im Reich der Mitte betreten viele Reisende zum ersten Mal ein Flugzeug. Die Novizen kommen mit dem Anlegen der Sicherheitsgurte nicht klar, obwohl das Kabinenpersonal alles im Detail vormacht. "Man sagt, bitte, schnallen Sie sich an, aber niemand reagiert", klagt die Stewardess Liu Lixia aus Shanghai. "Und andere vergessen, was sie gerade gelernt haben, und schnallen sich gleich wieder los."

Mit zehn Jahren Berufserfahrung hat ihre Kollegin Chen Qi schon viel erlebt. Die neue Klientel jedoch nagt spürbar an ihrer Hingabe für den Beruf. "Der Druck wird immer stärker", ist sie überzeugt, "so sehr hat sich die Qualität der Passagiere verändert."

"Man muss sie aufmerksam beobachten", vertraut die Stewardess Bao Xiaochun einem Journalisten der "New York Times" an. Einige hätten aus Versehen schon versucht, mitten im Flug den Notausstieg zu öffnen. Der Glanz ihres schönen Jobs ist nach solchen Erfahrungen etwas verblasst. Bao vergleicht die Arbeit aber diplomatisch mit der berühmten Tunke aus Tomatenmark, Zucker und Essig in den chinesischen Restaurants. "Sie ist nur noch süß-sauer", meint sie ergeben.

Vor allem junge Flugbegleiterinnen werden mit der aggressiven Art einiger Passagiere nicht fertig. "Den ganzen Tag ist man nur auf den Beinen, und es geht dauernd hin und her", stöhnt die 22-Jährige Yuan Jia. "Es fehlt sogar die Zeit, sich auf der Toilette einmal das Gesicht zu waschen." Yuan hat gekündigt, obwohl der Stewardessen-Beruf in China monatlich inzwischen 1000 Dollar einbringt.

Kein Pilot, kein Flug

Im neuen Glaspalast-Flughafen der Millionen-Metropole Kanton ärgert sich Steven Fielke darüber, dass die Xiamen-Maschine auf sich warten lässt, mit der seine Frau an Bord aus der Küstenstadt Fuzhou einschweben soll. Erst durch hartnäckiges Nachfragen erfährt er, dass die Maschine gar nicht kommt. Es sei kein Pilot zu finden gewesen, lautet die Entschuldigung.

Kenner der chinesischen Luftfahrtszene überrascht das nicht: Im Land des zügellosen Aufschwungs herrscht ein eklatanter Mangel an qualifizierten Flugzeugführern. Zunehmend zum Problem entwickelt sich, dass die Ausbildung von Cockpit-Aspiranten allein Sache des Staates ist, der so genannten Zivilluftfahrt-Universität in Guanghan in der Provinz Sichuan.

Die Ausmaße der Piloten-Universität sind zwar riesenhaft, fünf Ausbildungsgebäude sowie fünf Start- und Landebahnen gehören zu dem Komplex. Den Drill der Kadetten besorgen 3000 Ausbilder und Angestellte, die für den praktischen Betrieb auf über 100 Flugzeuge zurückgreifen können. Trotzdem vergehen bis zur Abschlussprüfung vier oder fünf Jahre, voriges Jahr bestanden lediglich 500 Kadetten das Examen zum Ersten Offizier - das Pensum schafft die Verkehrsfliegerschule der Lufthansa in Bremen in nur gut zwei Jahren.

Bann der "ausländischen Teufel"

Der Ausstoß an chinesischen Piloten wird auch in Zukunft nicht mit dem tatsächlichen Bedarf Schritt halten. Die China Southern Airlines behalfen sich schon selbst und schickten so viele Flugschüler auf eine Pilotenschule nach Australien, dass die Lehrstätte am Ende gekauft und in den Konzern aufgenommen wurde.

Dabei stellen chinesische Fluggesellschaften inzwischen auch Ausländer ein. Das aber gilt als Offizialgeheimnis, weil die kommunistische Parteiführung das Luftfahrtwesen als strategisch wichtigstes Scharnier der Volkswirtschaft betrachtet. Für diesen Bereich gilt als ehernes Gesetz, dass China jedwedes Problem selbst bewältigt - Ausländer im Cockpit wären gleichbedeutend mit einem politischen Prestigeverlust, den es nach außen hin nicht geben darf.

Doch nicht alle Fluggesellschaften sind von dem Bann der "gweilo" (deutsch: "ausländische Teufel") begeistert. Freimütig räumen etwa die Shenzhen Airlines ein, Nichtchinesen trotzdem einzusetzen. Und im Bordmagazin der Hainan Airlines wurde ein australischer Luftkutscher groß bei der Arbeit präsentiert. So viel Öffentlichkeit war allerdings offensichtlich ein Fehler. Das sei "früher gewesen" und entspreche nicht länger der Wirklichkeit, lautet inzwischen die offizielle Version.

Willkommener als Gastarbeiter ist schon ausländisches Geld, wie etwa das von George Soros. Der amerikanische Finanzier beschaffte sich knapp 15 Prozent der Hainan-Airlines-Aktien und bewies damit wieder einmal seine Spürnase. Denn die Inselprovinz Hainan lockte mit ihren weißen Buchten letztes Jahr 3,7 Millionen Strandurlauber an und baut sich als Ersatz für die Tsunami geschädigten Ressorts von Thailand auf. Die Hainan-Airlines bilden dabei exemplarisch das Schwindel erregende Wachstum der chinesischen Provinz-Fluglinien ab.

Vor zwölf Jahren fing die Gesellschaft mit nur 1,2 Millionen Dollar an, was gerade Mal für eine halbe Jet-Tragfläche ausreichte. Heute aber besitzt sie als viertgrößte Airline Chinas 104 Maschinen, und der Plan ist, die Zahl demnächst durch Neukäufe auf 200 Flugzeuge zu schrauben. Der Service jedenfalls gilt mit warmen Mahlzeiten selbst in der Holzklasse als vorbildlich, und jeder Angestellte muss aufmerksamst ein 253-seitiges Brevier zum Thema "Traditionelle Kultur Chinas" studieren.

Doch die anderen Fluglinien stehen dem kaum nach. Die Fluggesellschaft China Southern etwa, die das dichteste Inlandnetz mit 260 Verbindungen aufweist, absolviert mit 243 Maschinen wöchentlich 2900 Flüge. Und die China Eastern, in Shanghai beheimatet, beförderte letztes Jahr allein 29 Millionen Passagiere. In nur knapp einem Jahrzehnt hat sich damit der Durchsatz an Passagieren landesweit auf mehr als 120 Millionen vervierfacht.

Flugzeughersteller wie Boeing gehen davon aus, dass der Sektor jährlich um 20 Prozent zulegen und China in den nächsten 20 Jahren 2400 neue Verkehrs- und Frachtflugzeuge ordern wird. Der Bestellwert soll laut Boeing bei 200 Milliarden Dollar liegen. China wird damit nach den USA zur zweitgrößten Luftfahrtnation der Welt aufsteigen.

Hält der A380 kollektive Gymnastik aus?

Obschon CAAC-Präsident Yang die Menge neu zu erwerbender Flugzeuge in diesem Jahr begrenzen wollte, schlugen die Airlines wieder mächtig zu - gleich mal mit dem Kauf von 60 "Dreamliner"-Maschinen von Boeing und fünf Airbussen der Gigantenklasse A380. Boeing taufte den Dreamliner 7E7 - das E stand für Effizienz - eigens in 787 um, da die Acht in China die alles überragende Glückszahl bedeutet und Reichtum verheißt. Deshalb beginnen die Olympischen Spiele in Peking am 8. 8. 2008, und auch Airbus war gut beraten, seine A380 mit der Schicksalsziffer in der Mitte früh schon auf den Aberglauben der Chinesen hin zu nummerieren.

Für die Flugzeugkonzerne gibt es bald sogar noch mehr zu tun, da nun auch der staatlich regulierten Luftfahrtbranche Chinas eine dramatische Veränderung bevorsteht: Die ersten privat aufgezogenen Billig-Fluglinien sind startbereit, angeführt von einer Gesellschaft mit dem Namen Okay Airways, die gerade ihre erste Maschine - eine Boeing 737-900 - in Empfang nahm. Die Okay-Linie wird vom Binhai International Airport nahe der Hafenmetropole Tianjin aus operieren, erhält aber auf den Inlandrouten sogleich Konkurrenz von Billig-Baggern wie etwa den United Eagle Airlines und Air Spring, die ihre Hauptquartiere in Chengdu im chinesischen Südwesten beziehungsweise in Shanghai einrichten.

Sie alle wollen an den stattlichen Erträgen teilhaben, die in Boom-China eingeflogen werden - letztes Jahr zum Beispiel eine stolze Dollarmilliarde. Dafür aber müssen die Piloten und Flugbegleiterinnen darben. Flugzeugführer verdienen nur ein Zehntel ihrer westlichen Kollegen, und die Stewardessen können gar nicht genug arbeiten. "Ich hatte voriges Jahr nur eine Woche Urlaub", seufzt die 21-Jährige Liu Lixia, "obwohl sonst jeder Tag von Stress und Schwierigkeiten nur so strotzte."

Unterdessen dürfen sich die Passagiere weiter aufregen, wie zum Beispiel Penn Li aus Shanghai. Auf seinem Flug an Bord einer Boeing 757 nach Hongqiao, dem Stadtflughafen Shanghais, "ging der Service gerade noch", krittelt er. Unter seinem Sitz aber lag Müll, weil die Maschine vor dem Abflug in Shenzhen nur schlecht gesäubert worden war. Steven Curfs, ein Amerikaner, beschwerte sich gleichfalls bei den Shanghai Airlines, dem chinesischen Miles-and-More-Partner der Lufthansa, "weil das Essen schrecklich und das Bier warm war".

Und Airbus sollte sich vielleicht überlegen, was geschieht, wenn an Bord eines vollen A380 auf dem langen Weg nach Urumqi im Westen Chinas Gymnastik gemacht wird. Bisher ist ungeklärt, ob das Flugzeug dann in womöglich bedrohliche Schwingungen gerät.

http://www.spiegel.de
 
Link Verzeichnis der besten Web Seiten
Golf Unterkunft Transporte
Reise Agenturen Essen und Trinken Sport und Aktivitäten
Immobilien Medien Internet
Allgemeine Informationen    

Kostenloser Besucherzähler

BLOG hb webdesign News und updates von hbwebdesign. Hansen's Log book

designed by hbwebdesign